Fès liegt neben Meknes und ist die älteste Königsstadt von Marokko. Gegründet wurde sie im Jahre 789 von Idris l. Bekannt ist sie vor allem wegen der Gerberei, welche seit der Gründerzeit fast unverändert existiert. Wir nahmen den Zug von Meknes nach Fès, damit wir auch noch Eisenbahn in Marokko gefahren sind. Die Fahrt dauerte 40 min und war wenig spektakulär. Gezogen wurde der Zug von einer Prima II, von Alstom (Achtung: Schleichwerbung). Für die Besichtigung von Fès nahmen wir einen Guide namens Faruk, welcher uns bereits am Bahnhof abholte. Danach ging es weiter in die Gassen, die seit der Gründerzeit fast unverändert geblieben sind. Natürlich gibt es heute auch fliessend Wasser und Strom, aber so eng waren sie auch vor über 1000 Jahren. Die Entscheidung einen Guide zu nehmen war absolut richtig, da er uns gezielt durch die Medina führen konnte und wir auch Fragen stellen konnten und er uns vor Touristenfallen rettete und uns peinliche Momente ersparte. Die Frau zum Beispiel, konnten wir gegen ein Entgeld fotografieren, aber das Entgeld durfte nicht zu klein sein, sonst ist es eine Beleidigung. Eine Strasse weiter ist das Färberquartier. Dort werden mit traditionellen Farben noch Stoffe gefärbt. Das Abwasser geht wie das der Gerberei in den Fluss, der nur noch eine offene Kloake ist. Traurig aber war. Dieser Umstand kann nur mit politischem Willen geändert werden. Wie in Meknes gibt es auch Metzger in den Souks, aber es gibt nur einen der Dromedarfleisch verkaufen darf. Ratet mal wie wir das feststellten … Daneben gibt es unzählige Metztger, die ihre Waren frisch feilboten. Noel interessierte das nicht (wahrscheinlich erkannte er nicht, dass es tote Tiere waren), aber Amelie war erstaunlich gefasst trotz den nicht alltäglichen Bildern.







Weiter ging es zur Gerberei, für mich der Höhepunkt in Fès. Dank unseres Guides konnten wir das ganze Geschehen aus sicherer Entfernung begutachten. Gegen den erbärmlichen Gestank (sie sagten es sei nicht so schlimm, weil es nicht sehr warm war), verteilten sie frischen Pfefferminz. Das Prozedere beim Gerben ist immer noch das Gleiche wie vor 1000 Jahren. Direkt nach dem Schlachten wird das Fell in eine Salzlacke getaucht, danach in Taubenmist gelegt, damit das Leder geschmeidig wird. Danach wird es gewaschen und gefärbt. Das Ganze dauert mehrere Wochen und ist Knochenarbeit. Die Arbeit ist für marokkanische Verhältnisse gut bezahlt, sonst würde dieser Job niemand machen wollen. Spannend ist, das in Fès jede Wohnung in der Medina auch Platz für Tauben hat und dass es einmal pro Woche einen Markt für Taubenmist gibt. So wird immer für Nachschub gesorgt. Nach dem Besuch ging es noch durch den Ledershop (oh Wunder) und wir kauften noch das Eine oder Andere.





Danach gingen wir in ein leckeres Restaurant. Verschiedene Salate Couscous, Tajine und Spiesse mit Pommes standen auf dem Speiseplan. Als nächstes stand ein Besuch eines Stoffladens auf dem Programm. Der Besuch eines solchen Ladens ist wegen der Vielfalt an Stoffen und Farben einfach lohnenswert.



Neben dem verschiedenen Einkaufsmöglichkeiten in der Medina von Fès gibt es auch viel kulturelles zu bestaunen. Zum Beispiel gab es einer der ältesten Koranschulen von Marokko (Medersa Bou Inania: Medersa Gewürz, weil früher hier Gewürze verkauft wurden. Heute nur noch Handyzubehör aus China…) zu bestaunen. Wie andere islamische Bauten war diese Schule reich verziert mit Kacheln nach andalusischem Stil, Stuckaturen und Schnitzereien aus Zedernholz. Diese harmonische Athmosphäre sollte den Schülern zur besseren Meditation verhelfen. Die Zeit verging wir im Fluge und es war bereits Zeit um zurück nach Meknes zu fahren. Aber zuvor schauten wir noch das blaue Tor, ein typisches Wahrzeichen von Fès an und tranken einen letzten „The à la Menthe“. Am Bahnhof erwischten wir noch den letzten Zug nach Meknes (20:40 Uhr) und gingen danach erneut spät ins Bett.



