Nach einer langen und kurvenreichen Reise erreichten wir das „Wayanad Jungle Retreat“. Wie der Name sagt liegt es im Distrikt Wayanad in Kerala. Die Unterkunft liegt inmitten des Waldes und grenzt an den Jungle und an ein Stück Grasland mit Wasserloch. In dieser wunderschönen Gegend verbrachten wir die nächsten drei Tage.

Tierwelt
Auf einem kurzen Spaziergang durch den nahen Jungel konnten wir die Spuren der Tierwelt aus der letzten Nacht entdecken. Z.b. von Elefanten, die sich nach dem Schlammbad an den Bäumen das Ungeziefer wegkratzen. Oder Kratzspuren von Tigern an den Bäumen. Unser Guide erklärte uns das sehr genau und es war sehr eindrücklich was alles aus den Spuren herauszulesen war. Z.b. gab es Kratzspuren von weiblichen Tigern, welche das Territorium markieren. Diese befanden sich auf 1.2 m Höhe. Tigerspuren von Männchen sollten zeigen, wie gross und stark der Tiger ist und befanden sich auf 3 m Höhe. D.h. der Tiger war ausgestreckt 3 m lang. Was für ein Tier! Es gibt ein gutes Beispiel und sich die Kraft eines Tigers vorzustellen, erklärte uns der Guide. Nimm ein rohes Ei und zerdrück es in der Hand. Das Gleiche macht ein Tiger mit einem Menschenkopf, wenn er ihn zwischen die Pranken kriegt. Am Vortag wurde ein Hirschkitz von drei Wildhunden gerissen und wir fanden noch die Überreste davon. Da diese Überreste auch von einem Tiger beansprucht werden können und dieser Tiger in der Nähe von uns sein könnte verliessen wir die Fundstelle. Am Morgem nach der Übernachtung im Wachturm überschlagen sich die Ereignisse. Die drei Wildhunde, welche das Kitz am Vortag gerissen hatten, tauchten wieder auf und hetzten eine Herde Axishirsche (Spotted Dears). Und kurze Zeit später hatten sie schon wieder ein Kitz gerissen und rannten mit ihrem Fang über die Wiesen. Am Schluss assen sie den Fang vor unseren Augen. Das Ganze war aufregender zu beobachten als jede Dicovery Chanel Sendung im Fernsehr, auch wenn uns die Hirsche leid taten.






Night Safari
Am ersten Abend unternahmen wir einen Night Safari. D.h. wir fuhren mit einem Auto auf der Strasse durch den Wald und hofften, dass wir Tiere sehen würden (als das, was man in der Nacht im Normalfall nicht haben möchte). Auch hier helfen uns die Rehe mit ihren Warnrufen, um Raubtiere zu sehen. Wir haben schon fast aufgegeben, als wir einen grossen Elefanten am Strassenrand entdeckten. Er heisst „Halftail“, weil ein Stück Schwanz fehlt. Es war für uns etwas völlig anderes, wenn wir einen Elefanten in freier Wildbahn sahen, anstatt einen Dressierten. Jetzt stieg die Motivation schlagartig an und wir fuhren weiter. Kurze Zeit später wurden wir informiert, dass es in der Nähe der Unterkunft Warnrufe zu hören waren. An der Strasse direkt bei der Unterkunft sahen wir dann ein kleines Tigergesicht aus dem Dickicht gucken. Nur wenige Sekunden, aber wir konnten deutlich das Streifenmuster im Gesicht erkennen. Was für ein Erlebnis. Am nächsten Tag erklärte uns der Manager der Unterkunft, dass bei der Hütte einer Mitarbeiterin 20 minutenlang Tigergebrüll zu hören war. Das beeindruckte uns sehr wie die Leute hier mit den grossen Raubtieren leben. Wir sind nur kurze Zeit hier, aber die Familien, die hier leben und ihre Kinder nach dem Eindunkeln vor die Türe zum Spielen lassen, sind sich sicher der Tatsache bewusst, das ein Tiger wenige Meter entfernt im Dickicht lauern kann.

Übernachten im Watchtower (Aussichtsturm)
Walter wollte schon immer im Jungel übernachten, aber leider gab es Zwischenfälle mit Elefanten und daher sind verschiedene Touristenattraktionen und auch das Übernachten war nicht möglich. Alternativ konnte Amelie und Walter in einem Aussichtsturm übernachten. Um 5 Uhr abends ging es los und wir kletterten ausgerüstet mit Foto, Feldstecher auf den Turm. Wir mussten uns absolut ruhig verhalten und dann kamen die Tiere. Als erstes sahen wir Königsriesenhörnchen (Giant Squirel), danach eine Muntjak (Barking Deer, also bellendes Reh aufgrund der Laute die es von sich gibt), eine sehr ursprüngliche Rasse und ein sehr seltenes Tier. Als es dann dunkel wurde, tauchte plötzlich ein Indian Gaur (das grösste lebende Rindvieh) auf. Das Alpha-Männchen bringt 1000 kg auf die Waage und sogar der Tiger muss sich vor diesem Tier in acht nehmen. Interessant ist, dass dieses riesige Tier fast geräuschlos aufgetaucht ist. Ein wenig später tauchte auch das Tier auf, auf welches wir gewartet hatten, ein Elefant. Diese Tiere bewegen sich fast geräuschlos auf ihren Pfaden durch den Jungle. Als erstes war er damit beschäftigt Erde zu essen. Nur so können sie ihren Salzbedarf decken. Danach ging er zum Wasserloch und trank ausgiebig. Als es schon fast dunkel war begab er sich zum Gaur und ass Grass. Kurz bevor es dunkel wurde, konnten wir noch einen Goldmantel-Sultanspecht fotografieren. Die Nacht verbrachten wir auf einer kleinen Matratze nur mit einem Leinentuch gegen die Kälte geschüzt. Um 22:30 hörten wir einen Elefanten an der Hütte vorbeilaufen und gegen den Morgen wurde es ziemlich kalt. Erst die ersten Sonnenstrahlen wärmten uns wieder. Der Gauer und der Elefant war verschwunden, aber die Muntjaks sahen wir nochmals. Auch eine Halsstreifenmanguste konnten wir beobachten und es gelang eine Aufnahme eines Malbar Hornvogels (Malabar Hornbill).








